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FUNK & KOMMUNIKATION / SERIE

Serienstart in Heft Nr. 4 / 1997 - Der hier vorgestellte Inhalt reicht bis in die 3. Fortsetzung in Heft Nr. 7 / 1997 hinein. - Weitere Fortsetzungen folgen auf dieser Website nicht. Der Text dient für alle jene, die den Anfang der Serie versäumt hatten bzw. um sich ein Bild von dieser Serie machen zu können.


SERIE: PC für Tüftler

Ein PC muss her, aber welches Fabrikat? Es ist gar nicht so schwer, einen PC nach eigenen Vorstellungen zusammenzubauen. In Wirklichkeit handelt es sich dabei ja nur um das Zusammenstecken von ein paar Komponenten. Der Vorteil dabei ist, dass man sich die Komponenten und Hersteller aussuchen kann, von denen man überzeugt ist, dass sie den Anforderungen entsprechen. - Hier der Start einer Serie, in der Schritt für Schritt alle Komponenten erklärt werden. Nicht nur für jene, die sich ihren PC selbst bauen wollen, sondern auch zur besseren Beurteilung von fertig angebotenen PCs. Die im Rahmen dieser Serie empfohlenen Komponenten, Verfahren und Konzepte beruhen auf der langjährigen Erfahrung in Hard- und Software des "praktiker"-Entwicklers und Computer-Gurus Harald Höttl und eingehenden Testläufen von Experten des angesehenen ÖCAC Österreichischen Computer Anwender Club. Etwaige Korrekturen, die sich im Laufe der Serie durch Neuentwicklungen ergeben, werden jeweils aktuell berücksichtigt; auch für jeweils zurückliegende Folgen der Serie. Somit bleibt diese Serie bis zur letzten Folge jeweils am Stand der Entwicklung.


Anforderungsprofil für unseren "PC für Tüftler"

Unser PC soll mit folgenden Betriebssystemen ausgestattet sein: OS/2 Warp 4 (vulgo Merlin), PC-DOS 7.0, Windows für Workgroups 3.11 und Windows 95. Zusätzlich sollte die Möglichkeit bestehen, weitere Betriebssysteme zu installieren, so unter anderen Linux 4.4 oder Windows NT 4.0. Der PC wird hauptsächlich für den Grafikeinsatz verwendet (Corel Draw, Micrografx Designer, Corel Ventura und AutoCAD), aber auch für Text, Tabellen und Datenbank. Professionelle Fotobearbeitung ist nicht vorgesehen.


Der erste Schritt ist ein klares Konzept, wobei man eine etwaige Aufrüstung jedoch nicht aus dem Auge lassen sollte. Am Beispiel eines Projektes sehen Sie, wie es Schritt für Schritt gemacht wird.

Entsprechend den angeführten Anforderungen ergibt sich folgendes PC-Profil: CPU-Leistung soll mindestens Pentium 100 MHz sein, Bildschirmkarte 1280 x 1024 / 16 bit Farbtiefe (65536 Farben) 4 MByte Videospeicher, mindestens 75 Hz Bildwechselfrequenz. Die verwendeten Betriebssysteme finden mit 32 MByte Hauptspeicher das Auslangen, da aber die Speicherpreise momentan sehr günstig sind, werden 64 MByte eingebaut (zwei PS/2 Module zu je 32 MByte ohne Parity, 8/16 Bestückung in EDO-Technik.)

Bei Grafikeinsatz wird extrem viel Festplattenplatz benötigt und die Betriebssysteme sind auch nicht gerade schlank, deswegen kommen 2 SCSI- Festplatten mit je 2.150 MByte zum Einsatz. Da die Datensicherung für dieses Projekt sehr wichtig ist, ist dazu eine weitere Festplatte (ebenfalls SCSI, 2.150 MByte im Wechselrahmen) vorgesehen. Aus Ergonomiegründen ist der Bildschirm mit 21 Inch spezifiziert.

Daraus ergibt sich, dass der PC wie folgt bestückt sein soll:

Auf einem Asus Motherboard ist als Prozessor ein Pentium mit 133 MHz Taktfrequenz vorgesehen, 256 KByte Pipeline Burst Cache, Speicher 64 MByte (EDO), als Bildschirmkarte wird eine Matrox Millenium mit 4 MByte WRAM verwendet. Festplatte(n) von Quantum - 2 Stück zu je 2,5 GByte (entweder SCSI oder E-IDE). Warum diese Komponenten ausgewählt wurden, wird im Folgenden erklärt.

Die Komponenten

Die für dieses Projekt verwendeten Komponenten werden nach folgenden Kriterien ausgewählt:

Gehäuse und Motherboard

Bei der Wahl des Gehäuses muss natürlich der Formfaktor des Motherboards berücksichtigt werden. Zurzeit gibt es folgende Boards: AT (Standard AT-Formfaktor), BAT (Baby AT Formfaktor), ATX (ATX Formfaktor) und LPX (LPX Formfaktor). Ein wichtiges Auswahlkriterium ist auch der verwendete Chipsatz. Auf den meisten Pentium-Boards findet man die Intel- Chipsätze 430HX (THX) und 430VX (TVX).

Der Triton Chipsatz 430FX - der manchmal noch angeboten wird - ist schon etwas veraltet. Der 430VX ist für den Einsatz von SDRAM Speicher-Chips konzipiert, diese sind allerdings noch sehr teuer und werden vom Chipsatz noch nicht optimal genutzt.

Die Wahl fiel auf das Asus-Board P/I-P55T2P4 (Board-Revision 3.0 oder größer).

Dieses Motherboard im BAT Formfaktor (220 x 282  mm), ist mit dem Intel THX Chipsatz ausgestattet, wobei als Prozessor ein Pentium bis 200 MHz Taktfrequenz einsetzbar ist. 256 KByte Pipeline Burst Cache sind "on board", mittels COAST Sockel kann auf 512 KByte erweitert werden. Die macht aber wenig Sinn, da die zusätzlichen 256 KByte bestenfalls plus 1 Prozent zur Systemleistung beitragen.

Wenn Sie hauptsächlich mir Grafikdateien (Fotobearbeitung) arbeiten, ist mehr Hauptspeicher als 64 MB angesagt. Das Board unterstützt im Maximalausbau 512 MB Speicher.

Wenn Sie mehr als 64 MB "cashen" wollen, müssen Sie ein entsprechendes TAG-RAM einsetzen.

Processor

Wie schon eingangs erwähnt, ist ein Pentium mit einer Taktfrequenz von mindestens 100 MHz dazu auserkoren, unserem Super-PC Leben einzuhauchen.

Ein Pentium mit 100 MHz Taktfrequenz wird nicht mehr gebaut, erst ab 120 MHz sind Pentiums im Handel verfügbar. Da aber der P120 am PCI-Bus nur mit 30 MHz fährt, verliert man etwa 10 Prozent der PCI-Geschwindigkeit. Der P133 taktet den PCI-Bus mit 33 MHz, nützt ihn damit (zurzeit) voll aus. Dieser Prozessor kostet zurzeit (Ende November) 2.799,- Schilling. Die Preisdifferenz zum P166 ist 2.700, und zum P200 bereits 5.200 Schilling.

Dafür kann man den Speicher auf 64 MByte ausbauen und die Bildschirmkarte mit 4 MByte WRAM bestücken. Der P133 mit 64 MByte RAM liefert mit dem Benchmark "SysMark 32" einen Wert von 135, der P200 mit 32 MByte einen Wert von 155.

Da üblicherweise Geschwindigkeitssteigerungen erst bei einem Faktor 2 bis 4 für den Anwender spürbar werden, kann man sich den P200 schenken.

Unter Fachleuten gibt es folgende Regel, wenn es um Leistungssteigerung (Tuning) geht:

In erster Instanz wird der Speicher erweitert, zweitens die Bildschirmkarte (wobei es bei der Videokarte weniger auf die Speichererweiterung ankommt, die ist sowieso durch die spezifizierte Auflösung, Farbtiefe und Bildwechselfrequenz gegeben) gegen eine moderne - nach neuesten Erkenntnissen konzipierte - getauscht.

Bildschirmkarte

Aus dem vorgesagten kann man sich bereits vorstellen, dass der Bildschirmkarte eine wesentliche Bedeutung zur Systemgesamtleistung zukommt.

Da zurzeit nur eine PCI-Karte in Frage kommt - andere Local Bus Lösungen sind entweder veraltet oder tot - kann man aus dem großen Angebot (oder doch nicht so großen, wenn es um Qualität geht) schöpfen. In unserem speziellen Fall ist indes darauf Rücksicht zu nehmen, ob es für die vorgesehenen Betriebssysteme auch die entsprechenden Treiber gibt.

Festplatte

Auch bei Festplatten hat sich in letzter Zeit ein angenehmer Preisverfall bemerkbar gemacht. E-IDE Festplatten gibt es jetzt schon zu 1,28 bis 2,18 Schilling pro Megabyte.

SCSI-Ausführungen sind um 1,97 bis 3,12 Schilling erhältlich, also noch nicht so weit im Preis gesunken (was mir persönlich unverständlich ist, da die verwendeten Komponenten im Wesentlichen jenen entsprechen, die auch in der IDE-Technik zum Einsatz kommen).

Festplatten unter einem Gigabyte findet man kaum mehr im aktuellen Angebot, es sei denn, ein PC-Hersteller bestellt eine große Stückzahl, die ihm übrig bleibt um dann am Markt verscherbelt zu werden.

Der Einsatz von Grafikprogrammen erfordert viel Festplattenplatz. Zwei Platten wurden deswegen gewählt, da bis 2.500 MByte der Preis pro Megabyte sehr günstig ist. Ein zweiter, allerdings nicht so wichtiger Umstand sind die Auslagerungsdateien der Betriebssysteme.

Da auf der zweiten Platte OS/2 Warp 4 (Merlin) installiert wird und als erstes Arbeitsbetriebssystem zum Einsatz kommt, ist es vorteilhaft, wenn sich die Auslagerungsdatei auf dem weniger stark benutzten Laufwerk befindet.

Außerdem sind Festplatten jenseits der 4 GByte Grenze schon ganz schöne Krachmacher, denn sie drehen meistens mit 7.200 Umdrehungen pro Minute ("normale" Platten laufen mit 3.600, 4.500 und manchmal schon mit 5.200 UpM).

Da zur Datensicherung ebenfalls eine Festplatte vorgesehen ist (in einem Wechselrahmen) und ein Scanner zum Minimalinventar bei Grafikeinsatz gehört, ist eine SCSI-Lösung unumgänglich.

Advanced Power Management

Grün ist der PC und grün ist auch das BIOS (Basic Input Output System) und damit es wirklich grün wird, muss das Advanced Power Management aktiviert werden.

Ein normaler PC - Desktop oder Tower und nicht ans Netzwerk angeschlossen konfiguriert - benötigt zwischen 40 und 80 Watt. Bildschirme sind da schon größere Stromfresser und benötigen zwischen 50 und 150 Watt - je nach Ausführung und Alter (ältere Modelle benötigen in der Regel mehr Leistung als modernere Ausführungen).

Da in den USA Geräte nach "political correctness" konzipiert werden, sind Stromsparmaßnahmen natürlich en Vogue. Wobei die Hardwarehersteller manchmal übers Ziel schießen.

Beim Bildschirm ist ein Zurückfahren der Stromaufnahme zielführend. Ein 17"-Monitor mit einer Leistungsaufnahme von 100 Watt im Normalbetrieb geht auf 15 Watt zurück. Dies ist die erste Stufe der Leistungsreduzierung eines APM-BIOS. Dies ist eine durchaus zielführende Maßnahme.

Weitere Stufen der Leistungsreduzierung sind mit Vorsicht zu genießen. Üblicherweise wird bei der zweiten Stufe die Festplatte abgeschaltet und in der dritten Stufe wird der PC in den Sleep-Modus versetzt.

Die Gesamtleistungsaufnahme (PC und Bildschirm) geht im Schlafmodus von etwa 150 auf 30 Watt zurück. Die Sache hat nur einen Hacken: Festplatten sind als Dauerläufer konzipiert und haben eine begrenzte Anzahl an Einschaltvorgängen. Und die sind mit 10.000 bis 20.000 angegeben (eigentlich kann diese Zahl kaum in offiziellen Datenblättern gefunden werden, sondern man muss sich die Daten mit Tricks und über Umwege beschaffen).

Da im APM-BIOS die Zeitperiode bis zum Abschalten einstellbar ist (von der letzten Tasten- und Mausaktivität an gerechnet) kann man hier Einstellungen vornehmen, die ins Auge gehen. Je grüner der Anwender - wobei hier grün nicht nur auf politische Korrektheit zutrifft - desto kürzer wird die Abschaltzeitperiode eingestellt.

Bei 10 Minuten kann es vorkommen, dass der Abschaltmechanismus das System bis zu 50-mal pro Tag einen Nappezer machen lässt. Dann ist allerdings die Festplatte nach einem halben Jahr hinüber.

Verschiedene PC - mit proprietärem BIOS - bieten die Möglichkeit, das Abschalten der Festplatte zu verhindern. An sich ist dies bei jedem PC möglich, wenn man Stufe 2 und 3 nicht aktiviert. Die Leistungsaufnahme des Systems erhöht sich dann um etwa 10 Watt (im abgeschalteten Zustand - das macht etwa 2 Groschen pro Stunde).

Ein anderes Problem mit dem APM ergibt sich dann, wenn auf dem PC die Fax- Software aktiv ist. Fällt der Eingang eines Fax mit dem Ablauf der APM- Zeitperiode zusammen, landet das Fax unweigerlich im Nirwana. Es sei denn, das BIOS ist mit einer Sonderfunktion ausgestattet.

Bei verschiedenen - proprietären - BIOS-Versionen gibt es die Möglichkeit, die serielle Schnittstelle selbst bei völliger Abschaltung des PC aktiv zu halten. Beim Eingang eines Fax wird der PC über die serielle Schnittstelle hochgefahren.

Ein besonderes, auf das APM zurückzuführende Problem, tritt unter Windows 95 auf. Wenn das W95 Plus Pack installiert wird, ist der "System Agent" default-mäßig aktiv. Der System Agent wartet bis der PC nichts zu tun hat und verrichtet diverse Verwaltungsaufgaben wie etwa die Überprüfung der Festplatte. Es liegt auf der Hand, dass sich der System Agent und das APM früher oder später in Haare kriegen. Und wenn dies passiert, dann krachts im Gebälk - das System stürzt ab.

Eine bessere Lösung für die Funktionalität des System Agents von Windows 95 ist der Norton System Doctor aus den "Norton Utilities for Windows 95" von Symantec. Der Norton System Doctor löst zwar das Problem des Systemabsturzes, aber nicht jenes des APM.

Wenn das APM nicht intelligent genug ist, zu erkennen ob die serielle Schnittstelle aktiv ist, kann man nur Strom sparen, indem man den Bildschirm abschaltet. Dann ist die Leistungsaufnahme des Systems bis zu zwei Drittel reduziert, das sollte auch den strengsten Umweltfanatiker befriedigen.

Wenn Sie ihr Portemonnaie nicht belasten wollen, sollten sie den PC (und damit die Festplatte) nur einmal am Tag einschalten. Und das APM erst gar nicht aktivieren, es sei denn, wenn es ein intelligentes ist.

Regelmäßige Datensicherung

Mein letztes wöchentliches Backup war ein halbes Jahr alt. Und da geschah es: Die zweite Festplatte wurde vom PC nicht mehr erkannt (auch die erste nicht mehr). Was jedem normalen Anwender die Schweißperlen auf die Stirn treibt, kann ja mir als Power User nicht passieren - dachte ich - und doch ist es geschehen.

Was ist wirklich geschehen? Nun, bei genauer Überprüfung - auch der Test in einem anderen PC - musste ich feststellen, dass der Controller der Festplatte sein Leben ausgehaucht hatte. Das ist die Steuerelektronik (engl. Controller), die sowohl auf IDE- als auch auf SCSI-Platten wohnt.

Fürs Erste musste ich die Platte einmal abschreiben. Und dann überlegen, wie man solches Missgeschick in Zukunft abstellen kann. Gut, es war mir natürlich bekannt, dass auch Festplatten draufgehen können. Indes, die meisten Probleme mit Festplatten sind mechanischer Natur.

Wie dem auch sei, eine neue Festplatte musste her. Dies gab mir unter anderem gleich die Gelegenheit, eine größere zu kaufen (die Preise sind ja extrem gesunken) und sie nach neuesten Erkenntnissen - aus der Praxis geboren - zu partionieren. Was aber noch viel wichtiger war, es musste eine neue Backup-Strategie her. Ich hatte auf meinem alten PC eine 100-MB-Festplatte, da gab es kein Problem einmal 40 Disketten (komprimiert mit Norton Backup) zu schreiben. Oder selektiv von jedem neu installierten Programm eine Sicherungskopie anzufertigen.

Es gibt allerdings zwei Fakten, die heutzutage beachtet werden müssen. Festplatten sind jetzt in Gigabyte-Größen und Programme werden in der Mehrzahl auf CD geliefert.

Es zahlt sich daher kaum aus, ein installiertes Programm auch noch zu sichern, zumal die Neuinstallation nicht wesentlich länger dauert. Außerdem kann es Programmen manchmal gar nicht schaden, wenn sie neu installiert werden.

Genau so verhält es sich mit Betriebssystemen. Ob DOS, DOS/Windows, Windows NT, Windows 95 oder OS/2 - eine Neuinstallation tut dem System immer gut. Vor allem deswegen, weil in den meisten Fällen das System wesentlich performanter wird.

Jetzt werden sicherlich einige Aufschreien: und was ist mit meinen - in langen nikotin- und koffeingeschwängerten Nachstunden - schönen Systemeinstellungen und Icons. Keine Angst, jedes Betriebssystem (oder dafür verfügbare Shareware) bietet die Möglichkeit, alle Einstellungen und sonstiges zu speichern. Bei der Neuinstallation werden die alten Systemeinstellungen einfach über die neuinstallierten kopiert. Da muss man sich allerdings im Klaren sein, ob man von den alten Systemeinstellungen auch wirklich alles haben will. Den einer der Gründe für eine Neuinstallation kann auch sein, dass man alten Junk wegbekommen will.

Sicherungsstrategie

Ich bin der Ansicht, dass man nur Daten sichern muss, wobei man allerdings unterscheiden kann, welche Daten ohne wesentlichem Arbeitsaufwand - im Falle eines Falles - wieder herstellbar sind.

Backup-Medien

In den letzten Jahren haben sich Streamer bei den meisten Anwendern eingenistet. Ich kann mich der Jagd nach den jeweiligen Treibern noch sehr gut erinnern.

Und so ist es jetzt auch bei den neuen Betriebssystemen (W95 WNT und OS/2 Warp). Da bei diesen lange Dateinamen möglich sind - wie schön, wenn man jetzt als Dateinamen "Brief an die Jetti-Tant zum Geburtstag" schreiben kann.

Das sollten Sie aber bleiben lassen, wenn Sie mit Windows 95 arbeiten. Denn keines der Bandsicherungsprogramme kann lange Dateinamen.

Der vorher so schön aussehende Dateiname wird nämlich beinhart auf

BRIEF~~.7E1

gekürzt.

Sie können sich ausmalen, was passiert, wenn Sie mehrere Tanten und Onkel haben. Nur für OS/2 gibt es Backup-Programme für die verschiedensten Backup-Medien, die neben den langen Dateinamen auch noch die erweiterten Attribute speichern.

Da wir aber Programme nicht sichern müssen, sind Streamer auch nicht unbedingt notwendig. Wie schon erwähnt, gehts auch mit Disketten. Ein Zip-Drive ist die nächst größere Möglichkeit. Dieses ist in mehreren Ausführungen erhältlich: Intern und extern, mit SCSI- oder Parallel- Schnittstelle - zu einem Preis um 2.000 Schilling, die Medien kosten 150 - 170 pro Stück. Damit ergibt sich ein Speicherpreis von 1,60 Schilling pro MByte (zum Vergleich: bei eine 1,44-MB-Diskette ist es etwa 3,50 S).

Noch eleganter ist eine Wechsel-Festplatte. Bei den aktuellen Preisen kommt man schon unter 1,30 Schilling pro MByte. AT-Festplatten (E-IDE) gibt es bis zu einer Größe von 3.200 MByte, ein Wechselrahmen kostet 200 Schilling.

Das Fabrikat der Festplatte sollte mit jenem übereinstimmen, das in Laufwerk C: eingebaut ist. Damit können Sie - falls notwendig - auch für das Bootlaufwerk einen Wechselrahmen einsetzen.

Das hat den Vorteil, dass das BIOS beim Erkennen der Festplatte keine Manderln macht. Eine Wechselfestplatte als Bootlaufwerk hat den Vorteil, dass man verschiedene Betriebssysteme fahren kann. Als Datensicherung hat eine Festplatte ein zusätzliches Plus. Die Geschwindigkeit der Datensicherung ist unübertroffen.

Mit dem Norton Commander (gibts für jede Betriebssystemplattform) kann man ohne Problem Dateien vergleichen - egal ob sie auf dem Sicherungslaufwerk gezippt sind oder nicht. Wenn man sich ein dediziertes Datenlaufwerk einrichtet - meines ist D: (FAT formatiert, ich verwende keine langen Dateinamen) - kann man mit XCOPY und dem Schalter "/D:" je nach Datumsformat entweder mit "/D:96-11-12" oder "/D:12-11-96" die Dateien, die heute erstellt oder geändert wurden, sichern. Wer sich in der Batch-Sprache ein wenig auskennt, kann den ganzen Vorgang noch wesentlich eleganter ablaufen lassen. Ein Vorteil dabei ist der Einsatz von 4DOS (gibt es als 4OS2 und TakeCommand für OS2 und alle Windowsversionen), außerdem gibts auch noch NDOS der Norton Utilities.

Sie sehen, Datensicherung ist gar keine Hexerei, wenn man die Problematik einmal durchdenkt. Die vorgestellten Lösungswege sind allerdings nur dann zielführend, wenn man die meisten Programme auf CD hat und die systemrelevanten extra sichert.

Weitere Fortsetzungen folgen auf dieser Website nicht.


FAKTEN ZUM THEMA:

Schlimm: Zinnkontakte bei Speichermodul

Im Zuge von Sparmaßnahmen verwenden Hardwarehersteller bei Steckverbindern immer öfter billigere Ausführungen deren Oberflächenvergütung nicht mehr Gold, sondern Zinn ist. An sich nichts anstößiges, da Zinn geringe Korrosionsneigung zeigt. Problematisch kann es allerdings werden, wenn Goldkontakt auf Zinnkontakt trifft.

Speichermodule (PS2-SIMMs, DIMMs) werden hauptsächlich mit Goldkontakten geliefert, vereinzelt sieht man auch schon verzinnte Kontaktflächen. Metallurgen haben jetzt herausgefunden, dass es einen reversiblen Galvanikprozess gibt. Bei bestimmten Umweltbedingungen kommt es zu einer "Degalvanisierung", welche die Kontaktgüte verschlechtert. Dieser Vorgang betrifft nicht nur die Kontakte der Speichermodule, sondern jede Gold-Zinn-Steckverbindung. In den meisten Fällen sind aber nur die Speichersteckverbinder gefährdet, da bei den geringen Signalströmen (CMOS) Kontaktprobleme naturgemäß eher auftreten, als bei höheren Strömen (und Spannungen).

Umgekehrt sollten freilich auf Motherboards, die für die Speichermodule Zinn-Kontakte haben, idealerweise Speichermodule mit Zinnkontakten verwendet werden.

Unerklärbare Systemabstürze können ohne weiteres auf Speicherfehler zurückzuführen sein. Nicht immer zeigt das Betriebssystem - welches auch immer - Speicherprobleme so an, dass man sich daraus einen Reim machen kann. "Black Suddendeath" (BSD, deutsch etwa der plötzliche Tod), so nennen die amerikanischen Computer-Gurus den Effekt, wenn dem Anwender der schwarze Bildschirm entgegenstarrt. Da Kontaktprobleme meistens intermittierend auftreten, sind Programme die den Speicher testen, fast immer wirkungslos. Dies betrifft auch den Speichertest (POST = Power On Self Test) beim Start des Computers.

Wenn sich der PC ohne jede Warnung aufhängt, ist es nicht immer das Betriebssystem, es kann auch die Hardware sein.


FAKTEN ZUM THEMA:

Was ist ein Cache-Speicher?

Cache ist ein Zwischenspeicher, der dort eingesetzt wird, wo bei Datenquelle und Datenverarbeitung verschiedene Zugriffs- und Durchsatzgeschwindigkeiten auftreten.

In einem PC gibt es grundsätzlich 3 verschiedene Arten von Cache-Speicher.

Bei einem Pentium-Prozessor ist das sogenannte L1-Cache im Prozessor selbst integriert. Je 8 KByte für Code und Daten (beim Pentium-MMX sind es je 16 KB) sind aber nicht genug, um Daten und Code aus dem Arbeitsspeicher (RAM) zeitgerecht in den Prozessor zu bekommen.

Deshalb gibt es das L2-Cache, welches sich am Motherboard befindet. Hier sind Größen von 256 KByte (meistens schon am Motherboard eingelötet) und 512 KByte üblich.

Da die Steigerung der Systemleistung bei 512 KByte nur 1% (in den meisten Fällen) gegenüber 256 KByte beträgt, sollte man auf 512 KByte nur dann erweitern, wenn große Datenblöcke einzulesen sind. Dazu werden sogenannte "COAST-Module" (COAST = Cache On A STick) verwendet.

Übrigens, die L-Nomenklatur ist auf die amerikanische Bezeichnung von Stockwerken zurückzuführen: Level 1 (L1) ist der erste Stock (0 ist das Parterre), Level 2 (L1) der zweite Stock.

Zwischen Festplatte und Prozessor ist der Geschwindigkeitsunterschied besonders groß. Deshalb kommt dem Festplatten-Cache besondere Bedeutung zu. Je nach Betriebssystem werden bei der Installation 1 bis 4 (und mehr) Megabyte definiert.

Windows 95 vergibt gar die Hälfte des verfügbaren RAM für Cache, was aber eindeutig zu viel ist - und auch absolut nichts bringt. Bei einem PC mit 64 MByte RAM vergibt die W95-Installation 32 MByte fürs Cache. Nachdem dieser Wert auf 4 MByte reduziert wurde, ergab sich bei Benchmarkmessungen nur marginaler Unterschied, der bei der Arbeit natürlich nicht wahrnehmbar ist.


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