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AUDIO & HEIMKINO

aus Heft Nr. 7 / 1997


Nachtrag Anfang 1998: Die Firma Brain Audio ist wie vom Erdboden verschluckt. Die in diesem Bericht angeführten Angaben des Erfinders werfen viele offene Fragen auf. Dennoch: Der Verstärker soll funktionieren, wie ein renommiertes deutsches HiFi-Magazin im Labor nachgeprüft haben soll und darüber berichtet hatte. Der Erfinder war nach der IFA nicht mehr für ein Gespräch erreichbar um die Unklarheiten bei der Erläuterung der Funktionsweise zu klären. Angeblich befand sich Brain Audio Ende 1997 in Patentverhandlungen und in Gesprächen mit einem großen Hersteller für Halbleiter-Bauelemente. Danach wurde uns zugetragen, dass der Erfinder an Leukämie erkrankt sei. Jedenfalls war er bereits ab Ende 1997 für uns nicht mehr auffindbar.

Nachtrag Mitte 2009: Da dieser Bericht offenbar von mehreren Seiten verlinkt ist und es nach dessen Entfernen immer wieder Nachfragen danach gibt, wurde er wieder verfügbar gemacht. Das Problem bei der Sache ist, dass es letztlich nicht dazu gekommen ist, ein Testexemplar zu bekommen. Der Entwickler war schon wenige Wochen nach der Präsentation auf der IFA Berlin nicht mehr erreichbar. Er soll bald darauf verstorben sein, wie wir gerüchteweise von mehreren Seiten gehört hatten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass vollkommen neue Lösungen absurd erscheinen. So könnte durch die hohe Frequenz - und dadurch quasi ständig verfügbare Aussteuerung der Wechselstrom-Kurve in beide Richtungen - durchaus eine "ruhige" Spannung zur Verfügung stehen (zumindest für den Audio-Bereich, aber nicht für den angegebenen Frequenzbereich bis 4 MHz...). Es wäre halt eine vollkommen neue Sache gewesen und es kann auch keine Garantie gegeben werden, dass alle in diesem Beitrag gemachten Angaben absolut korrekt sind; vollständig sind sie - wegen der Kürze - sowieso nicht. Der Beitrag war eigentlich nur als kurzer, grober Vorbericht gedacht, dem einige Wochen später ein Testbericht mit den genauen Grundlagen folgen hätte sollen. Dazu ist es leider nicht gekommen. Insgesamt eine sehr mysteriöse und auch - da es nicht geklärt werden konnte - für uns peinliche Angelegenheit. Gerade wegen der großen ursprünglichen Euphorie. - Felix Wessely.

[!] Bitte deswegen nicht bei uns nachzufragen. Mehr wissen wir leider nicht darüber.


Knüller der IFA Berlin 1997:
Brain Audio: Münchner hat Multikanaltransistor erfunden!

Wieder einmal als Erste erfahren "praktiker"-Leser die vorläufig bekannten Details einer absoluten Weltneuheit. Leider ist er nicht auf der HIT zu finden, der Knüller - vermutlich - des Jahrzehnts. Der deutsche Dr. Christian Schmidt, Brain Audio (München) hat einen neuen Halbleiter entwickelt. Der Name ist noch geheim; wir nennen ihn vorläufig Multikanal-Transistor. Damit lassen sich mit ganz wenigen Bauteilen und ohne nennenswerten Kühlkörper Verstärker problemlos mit 1200 Watt realisieren. Dazu kommt, dass der Multikanal-Transistor keinen Bias braucht und daher 145dB erzielen kann. Kern der Sache ist, dass die P-Schicht künstlich aufgetragen wird.

[BILD] Dr. Christian Schmid, Brain Audio mit Prototyp Multikanaltransistor-Audioverstärker - (c) Felix Wessely
Bild: Felix Wessely Dr. Christian Schmid, Brain Audio, Erfinder des mysteriös gebliebenen Multikanaltransistors mit einem Prototyp seines Audio-Verstärkers auf der IFA Berlin 1997.

Solcherart lassen sich Halbleiter herstellen auch mit 1 Mio. Oberflächen, über die sich - um bei diesem Beispiel zu bleiben - 500.000 Schaltvorgänge gleichzeitig realisieren lassen können. Also lassen sich beispielsweise die Audiosignale von mehreren Kanälen problemlos innerhalb eines Halbleiters realisieren. Der Erfinder: "Nebeneffekt des Ganzen ist, dass der Wirkungsgrad bei 95 bis 99 Prozent liegt. Die Wärmeentwicklung ist daher auch bei extrem hoher Leistung vernachlässigbar." Tatsächlich: Ein Verstärker mit einer Ausgangsleistung von 2x600 Watt, dessen Gehäuse extrem klein ist und ohne Kühlschlitze, hat schon etwas Unheimliches.

Auch von einem Netzteil ist nichts zu sehen. Der Verstärker verarbeitet Spannungen von bis rund 300 Volt. Es wird also nur eine gleichgerichtete Netzspannung genommen und diese auf 80kHz hinauftransferiert. Die 80kHz sind außerhalb des Arbeitsbereichs des Verstärkers und beeinflussen daher das Klangbild nicht.

Die Realisierung

Brain Audio ist es gelungen die elektronendefizitäre Schicht des konventionellen Bipolar-Transistors schier unendlich zu unterteilen und somit in einem einzigen Transistor eine Vielzahl von definierten Einzelströmen zu verstärken. Was also bislang mit einer unüberblickbar großen Menge an Transistoren geschaltet werden musste, schafft nun ein Multikanal-Transistor von Brain Audio.

Das Ergebnis

Aufgrund seiner Ausführung konnte auch das Biasproblem gelöst werden. Es gibt keinen Bias mehr, denn der neue Transistor ist so stabil und die P-Schichten aber so sensibel, dass direkt mit Netzspannung gearbeitet werden kann. Also: Kein Transformator mehr.

Die Steuerbarkeit dieses Transistors erlaubt einen Ausgleich der Gleichwelligkeit. Also: Keine Siebkondensatoren mehr.

Die hohe anliegende Spannung im Zusammenhang mit der großen Sensibilität erzwingt geringe Ströme und deshalb einen beachtlichen Wirkungsgrad von 95% im Mittel. Also: Keine Kühlkörper mehr.

Hinsichtlich Leistung: "Würden es die Elektrizitätswerke erlauben, könnten wir Ihnen ganzzahlige PS-Angaben liefern. Die CE-Normen haben uns aber gezwungen, 600 Watt pro Kanal an 8 Ohm nicht zu überschreiten."

Der Multikanal-Transistor ermöglicht maximale Verzerrungen von 0,001% bei einer Linearität des verstärkten Signals von ±0,5dB zwischen 1Hz und 4MHz. Im hörbaren Bereich sollen die Abweichungen schier unmessbar sein.

Erste Kleinserie, Sammler!

Besonderheit für Sammler: Die ersten Verstärker einer Kleinserie von Brain Audio sind bereits fertig. Ihr Preis soll pro Stück in der Größenordnung von 100.000 ATS / 7267,28 EUR (EUR-Umrechnung) liegen. Diese ersten Exemplare sind Handarbeit des Erfinders des neuen Halbleiters bzw. Entwicklers des Verstärkers. Auch die Halbleiter dafür sind - soweit man davon überhaupt sprechen kann - Handarbeit.


TECHNISCHE DATEN:

Erster Verstärker mit Multikanal-Transistor von Brain Audio

Hier die technischen Eckdaten des ersten Verstärkers von Brain Audio mit dem neuen Multikanal-Transistor (der endgültige Name ist noch geheim).

Für jene, die einen Verstärker aus der "Handserie" ergattern wollen: Brain Audio, München, (Telefonnummer existiert nicht mehr)


Anmerkung: Die auf dieser Seite angegebenen Umrechnungen von ATS in EUR sind in der Original-Veröffentlichung freilich nicht enthalten. Sie wurden hier zur Orientierung nachträglich eingefügt. Sie basieren auf dem Umrechnungskurs zum Zeitpunkt der Währungs-Umstellung von Schilling auf Euro im Jahr 2002.

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